Oktober 14

Sind Tiere „Sachen“? Und was ist eigentlich ein „Tierhalter“?

Liebe Fellnasen, ich will euch mal ein bisschen schlau machen. Klar, ihr seid schon schlau – aber vielleicht habt ihr euch noch nicht so wirklich damit befa√üt, welche Rechte und Pflichten eure Dosis als Halter haben. Rein rechtlich gesehen – WIR wissen ja, dass sie nicht unsere „Halter“, sondern das Personal sind ūüėČ

Aber es ist im Gesetz – genauer gesagt in diversen Gesetzten – geregelt, welche Rechte und Pflichten ein Tierhalter hat. Und auch, welchen „Status“ wir Tiere haben. Dieser ist ein bisschen kompliziert, weil es bei der Verfassung des B√ľrgerlichen Gesetzbuches gegen Endes des 19. Jahrhunderts (√ľbrigens durch einen „Sohn“ meiner Heimatstadt, den guten Eduard Pape!) noch kein Gedanke war, dass Menschen emotionale Bindungen zu ihren Haustieren haben, und diese nicht nur aus rein wirtschaftlichen Interessen (Milchk√ľhe) oder zu einem bestimmten Zweck (Sch√§ferhund, Wachhund, M√§usef√§nger) halten. Diese Beziehung zwischen Menschen und ihren Haustieren hat sich stark gewandelt, so dass es heute in erster Linie auf die Rechtsprechung ankommt, wie ein Haustier rechtlich „behandelt“ wird.

Sind Tiere „Sachen“?

Zwar sind Tiere nach dem Gesetz leider immer noch „bewegliche Sachen“ im Sinne des B√ľrgerlichen Gesetzbuchs. Gottlob ist der Sachbegriff aber inzwischen im Sinne und unter Ber√ľcksichtigung des Tierschutzgesetzes zu interpretieren.¬†Aus dem aus ¬ß 1 Tierschutzgesetz abgeleiteten Grundsatz,¬†dass der Mensch aus Verantwortung f√ľr das Tier als Mitgesch√∂pf dessen Leben und Wohlbefinden zu sch√ľtzen hat,¬†ergibt sich, dass eine rein sachenrechtliche Betrachtungsweise der Betrachtung des Tieres als Mitgesch√∂pf nicht mehr gerecht wird.¬†
Es ist beispielsweise anerkannt, dass Hunde auf die Person des Halters fixiert sind. Die sprichwörtliche Anhänglichkeit und Treue von Hunden findet darin ihren Ausdruck. Wenn ein Hund nicht bei seinem eigentlichen Halter ist, kann es zur Beeinflussung des Verhaltens kommen. So hat das beispielsweise das Amtsgericht Bad Homburg bereits in einem Urteil 2001 entschieden (Aktenzeichen: 2 C 1180/01).

Pflichten als Tierhalter

In § 16 a Tierschutzgesetz ist geregelt, wie jemand, der ein Tier besitzt, sich zu verhalten hat  und was eigentlich selbstverständlich sein sollte:

Wer ein Haustier besitzt,¬†muss das Tier seiner Art und Bed√ľrfnissen entsprechend angemessen ern√§hren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen und darf die M√∂glichkeit des Tieres zur artgem√§√üen Bewegung nicht so einschr√§nken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Sch√§den zugef√ľgt werden. Bei einem Versto√ü gegen diese Auflagen kann ¬†das Tier von der Tierschutzbeh√∂rde weggenommen werden.

¬†Wer ist denn ein „Tierhalter“?

Tierhalter ist jemand, der √ľber die „Verwendung“ eines Tieres frei entscheiden kann. Etwas bl√∂d ausgedr√ľckt. Aber damit ist gemeint, dass kein anderer die M√∂glichkeit hat, „√ľber das Tier zu bestimmen“. Wichtig: Derjenige muss f√ľr alle Kosten aufkommen. Ganz wichtig: Ein Tierhalter muss nicht der Eigent√ľmer des Tieres sein. Es reicht beispielsweise, wenn man ein Tier draussen regelm√§√üig f√ľttert und sich quasi so zum „Halter“ macht. Gesetz den Fall, das Tier geh√∂rt vielleicht jemand anderes (Beispiel: Eine Katze wird angeschafft, rei√üt dort aus und l√§uft jemand anderem zu; dieser wird dann Tierhalter).

Bei einem zugelaufenen Tier ist Halter, wer die „Sachherrschaft“ nicht nur kurzzeitig √ľbernimmt, sondern das Tier dauerhaft bei sich aufnehmen will. Kein Halter wird derjenige, der das Tier dem Eigent√ľmer wieder zur√ľckbringen will, worauf er sich aber nach einer Frist von sechs Monaten nicht mehr berufen kann (Eigentumserwerb kraft Gesetzes). Dann ist er Eigent√ľmer und Halter geworden.

Auch eine Gemeinde, also eine sogenannte juristische Person, kann Tierhalter sein wohingegen ein herrenloses Tier gehört niemandem. Wer es in Besitz nimmt, kann auf diese Weise das Eigentum an ihm erwerben. (§ 958 Abs. 1 BGB)


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Veröffentlicht14. Oktober 2012 von Bonnie in Kategorie "Allgemein", "Rechtliches und Urteile zur Katzenhaltung

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