November 26

Gehörlose Katzen „sehen“ auch mit den Ohren

Wer von Geburt an blind ist, besitzt oft ein erstaunliches Tast- und Hörvermögen. Es ist auch inzwischen bekannt, warum:  die Sehrinde – die nicht benötigt wird –  übernimmt im Gehirn von Blinden weitere Aufgaben und schärft so die verbliebenen Sinne.

Es gab nun wissenschaftliche Untersuchungen, ob eine solche „Umverteilung“ der Aufgaben im Gehirn auch für andere Hirnregionen gilt. Diese Tests wurden mit Katzen durchgeführt und kamen zu einem erstaunlichen Ergebnis: Katzen, die von Geburt an blind sind,  nutzen Teile ihres Gehirns zum Sehen, die eigentlich fürs Hören vorgesehen sind. Die Sinneseindrücke der Augen werden also nicht nur vom Sehzentrum  ausgewertet, sondern auch in dem Bereich des Gehirns, der eigentlich akustische Eindrücke verarbeitet.

Untersucht wurden hörende Katzen und solche, die seit der Geburt taub waren. Ergebnis dieser Tests war, dass die tauben Katzen viel schneller auf Bewegungen reagierten. Außerdem stellte sich heraus, dass ihr Blickfeld weiter als jenes der hörenden Katzen ist.

Als nächstes untersuchten die Forscher dann, ob der Bereich des Gehirns, der fürs Hören verantwortlich ist, diese erhöhten Sehfähigkeiten der tauben Katzen ermöglicht. Die Funktion des Akustik-Zentrums wurden dafür sowohl bei den hörenden als auch bei den tauben Katzen vorübergehend lahm gelegt, in dem sie diesen Hirnbereich mit einer entsprechenden Vorrichtung stark abkühlten. Ergebnis war, dass die Sehleistung der hörenden Katzen gleich blieb, die  Gehörlosen verloren durch die Kühlung jedoch ihr herausragendes Sehvermögen.

Die tauben Katzen können also besser sehen,  weil sie zusätzlich ihre  Akustik-Regionen im Gehirn für die Verarbeitung optischer Eindrücke zur Hilfe nehmen.

Dieses Ergebnis zeigt einmal mehr, wie extrem flexibel das Gehirn ist. Auch wenn es um so komplexe Fähigkeiten wie Sehen oder Hören geht, schafft es das Gehirn, sich auf die veränderten Bedingungen einzustellen und das Optimale zu leisten.

Man geht davon aus, dass die Ergebnisse der Untersuchungen auf den Menschen übertragbar sind.

Aber da wir Katzen größere Ohren haben, funktioniert es bei uns vermutlich besser 😀

 

 

 

 

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Veröffentlicht26. November 2011 von Bonnie in Kategorie "Meisterwerk Katze
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2 Comments
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Marko
11 Jahre zuvor

Super, dass hier immer gepostet wird.