Februar 19

Wer will schon am Katzentisch sitzen?

Die meisten werden ihn kennen, den sogenannten „Katzentisch“. Ich kannte den Begriff bisher nicht, aber letzte Woche, als Dosi hier ein wenig Geburtstag gefeiert hat, hörte ich das Wort zum ersten Mal. Weil der Esstisch voll besetzt war, setzte sich jemand an den kleinen Bartisch und meinte, „dann setze er sich halt zum Essen an den Katzentisch“.

Bis dahin hatte ich oben auf meinem Kratzbaum gelegen und das bunte Treiben beobachtet, aber da wurde ich hellhörig. Katzentisch? Ich habe doch gar keinen eigenen Tisch, nur einen Fressplatz auf dem Boden. Zwar mit Tischset – aber ohne Tisch. Und der Bar-Tisch soll ein Katzentisch sein? Da kann ich eher das Gegenteil behaupten. Immer wenn Dosi da was isst, scheucht sie mich runter. Warum nannte der Kumpel den Tisch dann so?

Das liess mir keine Ruhe und ich habe recherchiert. Jawoll!

Also: ein Katzentisch ist ein kleines Tischchen mit kurzen Beinen, an dem früher Hauskatzen und auch kleine Hunde gefüttert wurden. Solche Tische soll es bereits in der Antike gegeben haben und sie haben sich über Jahrhunderte vor allem in „feinen Kreisen“ gehalten. Zur Zeit des französischen Hochadels waren sie am Hofe allgemein üblich und befanden sich abseits der Tische im Speisesaal. Es gibt einige Gemälde aus jener Zeit, auf denen man die Katzentische sehen kann.

Da diese Tische abseits von der eigentlichen Tafel standen, setzte sich im Laufe der Zeit die Bezeichnung „Katzentisch“ als Bezeichnung für Tische, die nicht zur eigentlichen Tischordnung gehören oder sehr ungünstig platziert sind, durch. Meist für einen Extratisch, der Kindern (z. B. auf Feiern) oder dem Chauffeur vorbehalten ist. In Gaststätten sind Katzentische meist die „ungeliebten“ Tische in der Nähe von Türen (z. B. zur Küche oder den Toiletten), d. h. an Stellen im Raum, wo verhältnismäßig häufig andere Personen vorbeikommen oder Zugluft auftritt.

Als übertragene Redensart bezeichnet der Katzentisch auch einen separaten, herausgehobenen, aber wenig vorteilhaften Platz in einer Gemeinschaft, den Platz im „Abseits“.

Es gibt auch in der Wirtschaft einen Katzentisch. Beispielsweise sitzen auch ehemalige Eigentümer eines Unternehmens, die ihre Aktienmehrheit verloren haben, denen aber aufgrund von vertraglichen Vereinbarungen ein lebenslanges Büro oder auch ein Dienstwagen gestellt wird, am Katzentisch. Sie dürfen vielleicht noch an Sitzungen teilnehmen, haben aber kein Stimmrecht mehr und somit nichts mehr zu sagen.

Es ist also nicht unbedingt erstrebenswert, am Katzentisch zu sitzen. Es sei denn, man ist eine Katze und er ist reich gedeckt 😀


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Veröffentlicht19. Februar 2012 von Bonnie in Kategorie "Geschichten, Sprichworte und Zitate

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