August 7

Der Fuchs und die Katze

MĂ€rchenstunde 😀 ! Die GebrĂŒder Grimm, die alten MĂ€rchen-Gurus, haben ja auch eine Katze – oder besser gesagt – einen Kater als MĂ€rchenhelden erfunden. Jedes Kind kennt natĂŒrlich den „Gestiefelten Kater“. Das ist  unter allen schönen Geschichten, die die beiden BrĂŒder hinterlassen haben, mein persönliches LieblingsmĂ€rchen. Der Kater ist clever, gewitzt, schlau und charmant – so wie wir Katzen nun einmal sind 😀

Die beiden BrĂŒder, die ĂŒbrigens hoch anerkannte Sprachwissenschaftler, Professoren und Ehrendoktoren der Uni Marburg waren, schrieben ĂŒbrigens zahlreiche wissenschaftliche BĂŒcher und waren beileibe nicht die „MĂ€rchenonkel“, als die wir sie heute in erster Linie kennen. Die folgende Fabel ĂŒber Fuchs und Katze stammt auch aus ihrer Feder. Die Erkenntnis, die man aus ihr ziehen kann, ist heute sicher noch genauso aktuell wie im 19. Jahrhundert. Hochmut kam auch damals schon vor dem Fall 😀

Es trug sich zu, daß die Katze in einem Walde dem Herrn Fuchs begegnete, und weil sie dachte ‚er ist gescheit und wohl erfahren, und gilt viel in der Welt,‘ so sprach sie ihm freundlich zu. ‚Guten Tag, lieber Herr Fuchs, wie gehts? wie stehts? wie schlagt Ihr Euch durch in dieser teuren Zeit?‘ Der Fuchs, alles Hochmutes voll, betrachtete die Katze von Kopf bis zu FĂŒĂŸen und wußte lange nicht, ob er eine Antwort geben sollte.

Endlich sprach er ‚o du armseliger Bartputzer, du buntscheckiger Narr, du Hungerleider und MĂ€usejĂ€ger, was kommt dir in den Sinn? du unterstehst dich zu fragen, wie mirs gehe? was hast du gelernt? wieviel KĂŒnste verstehst du?‘ ‚Ich verstehe nur eine einzige,‘ antwortete bescheidentlich die Katze. ‚Was ist das fĂŒr eine Kunst?‘ fragte der Fuchs. ‚Wenn die Hunde hinter mir her sind‘ so kann ich auf einen Baum springen und mich retten.‘ ‚Ist das alles?‘ sagte der Fuchs‘ ‚ich bin Herr ĂŒber hundert KĂŒnste und habe ĂŒberdies noch einen Sack voll Liste. Du jammerst mich, komm mit mir, ich will dich lehren, wie man den Hunden entgeht.‘ Indem kam ein JĂ€ger mit vier Hunden daher. Die Katze sprang behend auf einen Baum und setzte sich in den Gipfel, wo Äste und Laubwerk sie völlig verbargen. ‚Bindet den Sack auf, Herr Fuchs, bindet den Sack auf,‘ rief ihm die Katze zu, aber die Hunde hatten ihn schon gepackt und hielten ihn fest. ‚Ei, Herr Fuchs,‘ rief die Katze, ‚Ihr bleibt mit Euren hundert KĂŒnsten stecken. HĂ€ttet Ihr heraufkriechen können wie ich‘ so wĂ€rs nicht um Euer Leben geschehen.


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Veröffentlicht7. August 2012 von Bonnie in Kategorie "Geschichten, Sprichworte und Zitate

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